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Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen trinken die Deutschen zu viel Alkohol. Dadurch kämen viele Kinder alkoholgeschädigt auf die Welt oder leben in Familien mit alkoholbedingtem Missbrauch. Um dies einzudämmen fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung höhere Alkoholpreise.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, will nach der Veröffentlichung des neuen Jahrbuchs Sucht eine Teuerung von Spirituosen und Bier. „Wir sollten darüber sprechen, ob Preise von weniger als 20 Cent für einen halben Liter Bier oder weniger als vier Euro für Spirituosen sein müssen“, sagte die CSU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Oben genanntes Jahrbuch sammelt jährlich Statistiken zu legalen und illegalen Drogen in Deutschland. Außerdem werden eigene Daten zur Suchthilfe ergänzt. Laut der Sucht trinkt der deutsche Bundesbürger in 15 Jahren durchschnittlich 10,7 Liter reinen Alkohol – man stelle sich einmal knappe elf gestapelte Milchtüten vor.

Alkoholpreise zu niedrig – Deutschland trinkt zu viel

Die Zahlen basieren auf den neusten Erkenntnissen aus dem Jahr 2015. Vergleicht man sie mit internationalen Werten, sind sie sehr hoch, so Ulrich John Leiter des Instituts für Sozialmedizin an der Universität Greifswald. Deutschland sei beim Thema Alkohol ein Hochkonsumland. Die Folgen? Circa 10.000 Kinder, die jährlich alkoholgeschädigt auf die Welt kommen. 2,65 Millionen, die unter alkoholkranken Eltern aufwachsen. Außerdem leiden acht Millionen Angehörige unter der Alkoholsucht eines Familienmitgliedes. Sei es durch so etwas vermeintlich banales wie Schamgefühl und Zukunftsängste, oder aber durch Gewaltausbrüche bis hin zu sexuellem Missbrauch.

Immer und überall von Alkohol umgeben

„Wenn wir das ändern wollen, müssen wir mehr gegen die Omnipräsenz von Alkohol unternehmen“, sagte Mortler der „Passauer Neuen Presse“. „Permanentes Angebot schafft einfach Nachfrage. Ob an der Tankstelle, bei Familienfeiern oder auf Werbeplakaten.“

Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, will deshalb ein Werbeverbot für Alkohol (und für Zigaretten). Außerdem sollen alle Alkoholika nach ihrem Volumen Alkohol höher besteuert und die Alkoholpreise somit erhöht und die Altersgrenze für den Verkauf auf 18 Jahre angehoben werden. Dass Wein und Bier in Deutschland ab 16 Jahren zu haben seien, wertete er als „absurd“.